Frau
Sekundäres Lymphödem nach Mammacarcinom
jährlich etwa 50.000 Frauen an Brustkrebs, 19.000 der Betroffenen sterben. Damit ist das Mammacarcinom nicht nur die häufigste Krebserkrankung der Frau, sondern bei Frauen zwischen 35 und 55 Jahren auch die häufigste Todesursache. Bei rund einem Viertel der Betroffenen kommt es in Folge der Tumorbehandlung zu einem sekundären Lymphödem.
Trotz brusterhaltender Operationstechniken werden bei Mammacarcinom aber auch heute noch durchschnittlich 10 bis 20 Lymphknoten im Achselbereich entfernt, um eine Metastasen-Bildung auszuschließen. Dies führt zu einer Verletzung der tiefen und oberflächlichen Lymphkollektoren des Arms und der Brustwand, aus der sich in Folge ein Armlymphödem entwickeln kann. Werden die betroffene Brust und die abführenden Lymphwege - wie in der Regel üblich – zusätzlich einer Bestrahlung unterzogen, steigt das Risiko, ein sekundäres Lymphödem zu entwickeln, um das Doppelte. Selbst konservative Schätzungen gehen davon aus, dass es so in Deutschland bei ca. 12.500 Patientinnen pro Jahr zu einem Armlymphödem kommt. Da die Zahl der Betroffenen mit behandeltem Mammacarcinom aufgrund der wesentlich verbesserten Überlebenschancen insgesamt zunimmt, ist eine Abnahme der behandlungsbedürftigen Lymphödeme nach Brustkrebsbehandlung trotz neuer Behandlungsstrategien nicht zu erwarten.
Umso wichtiger, dass diese belastende lebenslange Folgeerkrankung nicht nur frühzeitig diagnostiziert, sondern auch richtig therapiert und versorgt wird. In diesem Zusammenhang leisten die zertifizierten Brustzentren in Deutschland Vorbildliches. In wöchentlichen onkologisch-senologischen Konferenzen erörtern Vertreter von neun Fachrichtungen von Gynäkologie über Strahlentherapie bis hin zur Psychoonkologie nicht nur aktuelle Diagnose und bisherige Therapie jeder einzel-nen Patientin. Im so genannten Mammadokumentationssystem (Ma-DoS) werden darüber hinaus auch Lymphknoten/Grading, Resektionsgrenzen, Hormonrezeptorstatus sowie Therapieempfehlung festgehalten.
Falls bei der Patientin ein sekundäres Lymphödem diagnostiziert wird, gilt die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) bei Lymphödemen unter Experten als Therapie der ersten Wahl. Die KPE besteht als kombinierte Behandlungsform in zwei Phasen aus den vier Elementen Hautpflege, Manuelle Lymphdrainage (ML), Bewegungstherapie und Kompressionstherapie. In der Phase I unterstützt die Kompressionsbandagierung die Entstauung während in der Phase II medizinische Kompressionsstrümpfe den Therapieerfolg erhalten und optimieren. Die Behandlung führt zu einer dauerhaften und nachweisbaren Volumen- und damit auch Beschwerdeminderung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die interdisziplinäre Vernetzung aller am Versorgungsprozess Beteiligten ist. Bereits in der Klinik erfolgt eine Akutversorgung in Kooperation mit dem Sanitätshaus. Unter ärztlicher Aufsicht wird die Patientin auf das Hilfsmittel eingestellt. Dies trägt nicht nur zur schnellen physischen und psychischen Genesung der Patientinnen bei, sondern fördert auch die Compliance nach der Entlassung.
Auf die herausragende Bedeutung, die in diesem Zusammenhang einer fachgerecht angemessenen und individuell auf den Patienten angepassten Kompressionsversorgung zukommt. Der in der Regel flachgestrickte, medizinische Kompressionsstrumpf nach Maß gewährleistet einen effektiven Lymphfluss und bei regelmäßigem Tragen eine dauerhafte Sicherung des Therapieerfolges. Dabei ist die individuelle Verträglichkeit der Kompressionsstrümpfe wichtiger als der Kompressionsdruck, welcher wegen des Lymphödemstadiums angebracht ist.
Quelle: 2. JOBST-Lymphsymposium, 21. Oktober 2005 in Wesel - eine Initiative der JOBST-Lymphakademie.
BSN-JOBST
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