Privat
Mobile Wettportale pushen Sportwettengeschäft
bröckelt. Die Wettleidenschaft nimmt zu, insbesondere Sportwetten finden immer mehr Anhänger. Rund 10,4 Millionen Deutsche zeigen Interesse an Sportwetten, ergab eine Umfrage der Kölner Sport und Markt AG http://www.sportundmarkt.de. Fast sieben Millionen von ihnen hätten im letzten Jahr einen Tippschein abgegeben.
Und dabei geht es längst nicht mehr nur um real ausgefüllte Wettscheine, denn das Onlinegaming hat sich längst seinen Platz erobert und macht die schnelle Wette möglich. Gerade der Markt für Online-Glücksspiele verspricht atemberaubende Wachstumsraten, wie die Entwicklung bei Betandwin http://www.betandwin.de zeigt, deren Umsatz sich mit einem breiten Wettangebot im vergangenen Jahr auf 856 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat – Zuwächse, die an New Economy Zeiten erinnern. Allein bezogen auf Online-Lotto werde der Markt nach Angaben von Tipp 24 http://www.tipp24.de jährlich um 27 Prozent wachsen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung http://www.faz.net ermittelte für Deutschland bis zum Jahr 2008 ein Marktvolumen von 800 Millionen Euro. "Das Lottospiel alten Typs mit Abgabe eines Scheins in einer Annahmestelle soll dagegen mit 3 Prozent vergleichsweise bescheiden zunehmen, allerdings auf einem sehr hohen Niveau mit Spieleinsätzen von 7,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Online-Lotto steht somit nur für drei Prozent des Gesamtmarktes. Das heißt, 97 Prozent aller Lottospieler wandern noch immer zur nächsten Lottoscheinabgabestelle." Der Nachholbedarf auf dem Onlinesektor ist also groß, in Deutschland wie in anderen Ländern Europas. Anbieter von Sportwetten richten sich darauf ein, dass es mit der zu erwartenden Liberalisierung des Sportwettenmarktes nicht nur zu einem allgemeinen Boom des Wettgeschäfts kommt, sondern dass insbesondere die Anbieter von Onlineangeboten den richtigen Riecher haben.
Helmut Sürtenich, Vorstand der Düsseldorfer Stratega Ost Beteiligungen AG http://www.stratega-ost.de, die erst vor wenigen Monaten ins Wettgeschäft eingestiegen und zukünftig unter dem Namen Top Wetten AG firmiert, ist sicher: "Mit der erwarteten Liberalisierung der Sportwetten in Deutschland im November 2005 wird sich die Nutzung der heutigen Kommunikationsmedien für das Wettgeschäft erschließen. Der klassische, vor Ort ausgefüllte Tipp-Schein hat sich überlebt. Sprachkommunikation, Internet und SMS sind die neuen Medien im Wettgeschäft." Dabei seien die europäischen Nachbarn teilweise ein gutes Stück voraus, in Deutschland gebe es jedoch Nachholbedarf. Beispielsweise würden HTML-Seiten in anderen europäischen Ländern bereits intensiv eingesetzt. "Nun aber kommen weitere, interaktive Kommunikationsformen dazu: Sprachportale und SMS. Da gerade die Attraktion der Sportwetten darin liegt, dass die Wetter kurzfristig und spontan ihre Wetten platzieren können, drängen sich Plattformen, die über Handys benutzbar sind, geradezu auf: Anrufen, die Quoten minutenaktuell erfragen und die Wette platzieren, oder aber per SMS, diese Möglichkeiten sind attraktiv und schaffen hohe Anreize. Kommt noch die Bildübertragung auf das mobile Endgerät hinzu, etwa über Mobile TV, hat der Wetter sein 'Wettbüro' quasi in-the-pocket." Ein mobiles Wettportal und damit die Teilnahme an Sportwetten von unterwegs bietet seit kurzem bereits RTL interactive http://www.rtl-interactive.de.
Dass diese Angebote bereits zur Reife gelangt sind, hat auch der letzte Voiceday http://www.voiceday.de in Bonn gezeigt. Hier mussten fünf Entwicklerteams funktionsfähige Sprachportale für Informationsangebote und Sportwetten rund um die Fussball-Weltmeisterschaft 2006 entwickeln. Den höchsten Grad der Einsatzreife erreichten dabei die Entwickler von Sympalog, die den Anforderungen an die Sprachportale gerecht wurden: Neben der Platzierung einer Wette auf ein bestimmtes Spiel unter Angabe des Wett-Typs und des Wetteinsatzes mussten Spielpläne, Gruppenzusammensetzungen, Spielergebnisse und der Kontostand abgefragt werden können. Per SMS sollte die Transaktion zudem dem Anrufer bestätigt werden. Dass die Aufgabenstellung auf das Megafussballereignis im nächsten Jahr abzielte, kam nicht zufällig zustande: Gilt das Turnier doch als Beschleuniger für den Sportwettenmarkt in Deutschland, wenn dieser erst einmal liberalisiert ist, wovon die Branche allgemein ausgeht. Auch die Umfrage von Sport und Markt bestätigt die Bedeutung der Fussball-WM für das Wettgeschäft: Auf die Vorlieben bei den Sportwettangeboten befragt, rangierten bei den Befragten Fußballwetten ganz oben in der Gunst der Wettenden. Dementsprechend würden hierzulande die Anbieter von Wetten in erster Linie ihre Umsätze mit Fußballwetten generieren. Jens Leinert, Inhaber der Frankfurter Firma Leinert Consult http://www.leinert.com ist ausgewiesener Kenner des Sportwettenmarktes und hat eine neue Studie zum Thema vorgelegt, den "Marktreport Online Wetten 2005".
Die Prognosen für den Onlinegaming- Markt fallen auch darin beachtlich aus: "Onlinegaming zählt zu einem der größten Gewinner im rasant wachsenden Internet. Wird für das Jahr 2003 noch von einem geschätzten Umsatz von 6,3 Milliarden Dollar ausgegangen, betrugen im Jahre 2004 die Wetterlöse weltweit 433 Milliarden Dollar wovon über acht Milliarden bereits online abgewickelt wurden. Der Onlineanteil hat jährliche Wachstumsraten von 20 bis 25 Prozent und der Anteil der wichtigen Zielgruppen - Junge, technisch Interessierte und Frauen - beträgt mittlerweile 30 bis 40 Prozent im Internet gegenüber nur fünf Prozent in Offline Casinos." Dabei sei der deutschsprachige Markt noch schwach erschlossen. Die Erwartungen von Stratega-Ost Vorstand Sürtenich teilt auch Jens Leinert im Marktreport: Auch er sieht einen besonderen Boom ausgehen vom kabellosen Zugang zum Internet über mobile Endgeräte und das interaktive Fernsehen. "Mit der breiten Einführung von GPRS und UMTS Übertragungstechnologien wird die Benutzerfreundlichkeit von Handys - und damit in weiterer Folge von Wettabschlüssen per SMS - enorm gesteigert werden. Laut Forrester Research bietet der Markt für Mobile Gaming ein sehr attraktives Wachstumspotenzial insbesondere bei Personen unter 35 Jahren."
Dem Wachstum des Sportwettengeschäfts, für das Leinert nach einer Liberalisierung des Marktes mit bis zu 20 000 neuen Arbeitsplätzen rechnet, steht derzeit noch die staatliche Konkurrenz und das staatliche Glücksspielmonopol entgegen. "Wenn sich der Boom jedoch auch auf dem Arbeitsmarkt niederschlagen soll, müssen zuerst der Markt liberalisiert und feste Regeln für alle Marktteilnehmer eingeführt werden. Der Staat sollte private Wettanbieter zulassen und sich auf die Regelung des Glückspielmarktes beschränken. Der staatliche Sportwettenanbieter Oddset sollte ebenfalls als privates Unternehmen geführt werden und nicht mehr von "verdienten" Ex-Politikern."
Das Bundesverfassungsgericht verhandelt in der nächsten Woche über die Zulassung privater Wettanbieter. Vieles spricht dafür, dass die Karlsruher Richter sich am so genannten Gambelli-Urteil des Europäischen Gerichtshofes orientieren werden. Demnach steht es ausländischen, in ihren Heimatländern lizenzierten Wettanbietern grundsätzlich frei, auch in Deutschland ihre Dienstleistungen zu vermarkten. Mit der Liberalisierung werde dann auch die mobile Abwicklung der Wettgeschäfte Fahrt aufnehmen, so Helmut Sürtenich. "Wir gehen davon aus, dass schon schnell nach der Umsetzung der Liberalisierung des Geschäfts mit Sportwetten in Deutschland bedeutende Teile der Einsätze mobil abgewickelt werden."
medienbüro.sohn
http://www.ne-na.de